Aktuell

Träume erfüllen

Dass er in die Schweiz geflüchtet ist, bezeichnet Ghamkin Saleh als Zufall. Der in Syrien aufgewachsene Kurde hat seine Heimat verlassen, weil er politisch verfolgt wurde und nicht ins Militär wollte. Er fasste schnell Fuss, lernte Deutsch und fand schon nach kurzer Zeit Arbeit. Bald eröffnete er sein erstes Coiffeurgeschäft. Er besuchte vier Jahre die Schule für Kunst und Mediendesign. Seine Abschlussarbeit ist ein Dokumentarfilm über hochqualifizierte anerkannte Flüchtlinge, die ihren Beruf nicht ausüben können.

Heute führt Ghamkin Saleh fünf Coiffeurgeschäfte mit 25 Mitarbeitenden. Daneben ist er Mitinhaber einer Firma für Videoproduktionen, Web- und Grafikdesign. Auf die Frage, worauf er seinen Erfolg zurückführt, nennt er sein grosses Selbstbewusstsein, das ihm in die Wiege gelegt wurde. Wenn er heute die Bilder der aus Syrien in die Türkei flüchtenden Menschen sieht, tut es ihm sehr weh und Erinnerungen werden wach.

Neue Wege

Nach der Sekundarschule wollte Edina Kurjakovic eine Lehre machen. Doch ihr Flüchtlingsstatus und ihre Herkunft führten dazu, dass die Absagebriefe einen Bundesordner füllten und sie sich schliesslich für die Wirtschaftsmittelschule entschied. Die Bosnierin floh mit ihrer Familie mit zwölf Jahren in die Schweiz. Die Familie musste nach dem Krieg zurückkehren, sie konnte in der Schweiz bleiben, bis sie ihre Ausbildung abgeschlossen hatte.

In schwierigen Situationen führt sich Edina Kurjakovic wieder vor Augen, wie es damals war: Sie wurde aus ihrem Umfeld herausgerissen, kam in ein Land, in dem sie eigentlich nicht sein wollte, und hat es trotzdem geschafft. Die Flucht hat sie gestärkt und ihr viele neue Wege eröffnet. Heute ist sie Schweizerin, studiert Wirtschaft und macht mit verschiedenen Projekten darauf aufmerksam, dass in unserer Gesellschaft Toleranz und Solidarität unabdingbar sind.

Menschen verbinden

Tatana Sterba wurde in der ehemaligen Tschechoslowakei geboren. Als Kind floh sie mit ihrer Mutter in die Schweiz. In der Schule entwickelte sie ihr Gefühl für die Musik, spielte verschiedene Instrumente und nahm Tanzunterricht. 1994 stand sie zum ersten Mal an einem DJ-Pult.

Heute ist Tatana Sterba die bekannteste Trance-DJane der Schweiz. Bei ihren Auftritten in den grossen Clubs Europas tanzen Jung und Alt gemeinsam. Mit ihrer Musik verbindet sie Menschen aus verschiedenen Kulturen auf der ganzen Welt.

Herzblut für Jugendliche

In ihrer Heimat Bosnien hat Fuada Hatkic eine Ausbildung als Lebensmitteltechnologin gemacht. Hier in der Schweiz arbeitete sie zuerst als Haushalthilfe und später im Online-Verkauf bei Coop. Nebenbei ist sie auf Abruf im Bereich der interkulturellen Vermittlung für Schulen, Gemeinden und NPO tätig. Hier liegt auch hier Herzblut: Ihr beruflicher Traum ist eine Ausbildung im sozialen Bereich und eine Tätigkeit mit Jugendlichen.

Fuada Hatkic ist mit ihrem Mann 1993 aus Bosnien geflüchtet. Sie hat zwei Töchter, die beide eine Lehrestelle haben. Amilia und Yasmina fühlen sich als Schweizerinnen. Auch Fuada Hatkic fühlt sich wohl und hat sich gut integriert – nicht zuletzt dank ihren Kindern.

Hier zuhause

Tisi Kugananthan ist 17 Jahre alt und in der Schweiz geboren. Ihre Eltern mussten aus politischen Gründen Sri Lanka verlassen und wohnen nun bereits seit 20 Jahren hier. Sie macht eine KV-Lehre bei der AOZ, einer Organisation im Sozial- und Flüchtlingsbereich. Bei ihrer Arbeit schätzt sie, dass sie nicht nur im Büro ist, sondern am Schalter auch direkten Kontakt zu Flüchtlingen hat.

Vor einigen Jahren war Tisi Kugananthan zum ersten Mal in Sri Lanka. Es war spannend, ihre Verwandten kennenzulernen, jedoch war sie froh, als sie wieder zurück nach Zürich kam. Hier fühlt sie sich zu Hause. Tisi lacht viel und ist überzeugt, dass man mit einer freundlichen Geste Zugang zu den meisten Personen findet. Nach der Lehre möchte sie am liebsten eine Ausbildung zur Sozialarbeiterin machen.

Sich als Mensch fühlen

Hava Shala-Gerguri wurde in einem kleinen Dorf namens Peja im Kosova geboren. Ihre Eltern erzogen sie schon früh dazu, ein “Freigeist” zu sein. Sie studierte Literatur und Sprache, da dies für Sie eine Chance war, ihren Horizont und die engen räumlichen und politischen Dimensionen im Kosova zu erweitern. Nach einer bewegten Zeit als Menschen- und Frauenrechtlerin wurde Sie inhaftiert und sass vier Jahre im Gefängnis.

Seit 1991 lebt Hava Shala-Greguri mit ihrem Ehemann und den beiden Söhnen in der Schweiz, wo Sie gerne liest, läuft und auch malt. Am meisten schätzt Sie, dass Sie hier die Möglichkeit gefunden hat, sich als Mensch zu fühlen. Nachdem Sie als Lehrerin und Spielgruppenleiterin gearbeitet hatte, wurde Sie seitens der Fachstelle Integration Winterthur als Beraterin angestellt. Hier kann Sie etwas bewirken, bringt durch den Dialog Menschen und Institutionen zusammen.

Die Karriereleiter war steil

Gadji Gadjiev ist in Aserbaidschan geboren. Nach seinem Studium der Geografie und Biologie doktorierte er. Nach einigen Jahren in der Wissenschaft wurde er Berater des Präsidenten Aserbaidschans. Die Karriereleiter war steil – bis er in die oppositionelle Partei wechselte. Ab diesem Zeitpunkt änderte sich sein Leben schlagartig und er sah sich genötigt, das Land samt seiner Frau und den beiden halberwachsenen Kindern zu verlassen.

Seit sechs Jahren lebt er nun in der Schweiz. Nach einigen Einsätzen im bevorzugten naturwissenschaftlichen Arbeitsfeld wechselte er in den Migrationsbereich, wo er sich als Brückenbauer sieht. Heute ist er Betreuer bei «ors services»,  Mitglied des Ausländerbeirats Winterthur und Dolmetscher. Gadji Gadjiev ist ein höflicher und zuvorkommender Mann, der gerne liest, spaziert und kocht. Trotz den harten Schicksalsschlägen sieht er nach vorne, glaubt an sich und an das Gute in den Menschen.

Immer unterwegs sein

Ali Asgahri ist in Afghanistan geboren und lebte mit seinem Vater im Iran, bevor er 2009 alleine in die Schweiz gereist ist. Ali ist 17 Jahre alt und wohnt in einem Zentrum für Asylsuchende. Die erste Zeit in der Schweiz war schwierig, da er kein Deutsch konnte und hier niemanden kannte. Ausserdem sind seine Mitbewohner alle älter als er und es ist ihm manchmal etwas zu laut zum Lernen. Mittlerweile gefällt es ihm hier sehr gut. Nur reagieren viele Leute mit Vorurteilen, wenn sie erfahren, dass er aus Afghanistan kommt.

Im Moment besucht Ali Asgahri einen Deutschkurs und hofft, danach einen Platz an einer Berufswahlschule zu bekommen. Sein Traum ist es, Lastwagenchauffeur zu werden, da er so immer unterwegs sein könnte. In seiner Freizeit spielt er Fussball und Billiard, hört Musik und lernt Deutsch. Er denkt, dass es sehr schwierig sein wird, sein Berufsziel zu erreichen, aber mit seiner grossen Motivation will er es packen.

Für die Leute im Quartier

Haydar Karatas ist von ganzem Herzen Schriftsteller. Dies wurde ihm in der Türkei zum Verhängnis: Nach einem längeren Gefängnisaufenthalt hat er das Land verlassen. In der Schweiz wurde er als Flüchtling anerkannt und schrieb weiter – bei einer türkischen Zeitung und an seinen Büchern.

Seine historischen Romane verkaufen sich sehr gut, aber leben kann er davon nicht. So hat Haydar Karatas ein Café in Zürich Aussersihl übernommen. Er führt den Betrieb, kocht Spezialitäten aus aller Welt und serviert. Die Arbeit ist hart, jedoch gefällt es ihm in seinem Café. Bereits nach kurzer Zeit kannte er die Leute aus dem Quartier. Viele kommen immer wieder und erzählen Geschichten aus ihrem Leben. In Zukunft möchte Haydar Karatas weniger im Café arbeiten, damit er mehr Zeit hat für das, was er am besten kann: Schreiben.

Gute Energie übertragen

Abdullahi Moalin Osman ist aus Somalia. Vor drei Jahren kam er als Flüchtling in die Schweiz. In Somalia war er Lehrer – hier hat er bereits an den unterschiedlichsten Orten gearbeitet: auf einem Landwirtschaftsbetrieb, in einem Bahnhofhotel und nach einem Kurs zum Pflegehelfer auch in einem Altersheim. Nun möchte er die Ausbildung zum Pflegefachmann machen.

Abdullahi Osman kann gut mit Menschen umgehen und hat sehr viel positive Energie, die er auch auf sein Umfeld überträgt. Vor einem Jahr hat er eine Plattform zur Integration von Somaliern in der Schweiz gegründet und arbeitet als Kulturvermittler. Sein grösster Wunsch ist es, einmal bei der UNO arbeiten zu können.

Die Aktion für ein ideenreiches Zusammensein von Talenten aus allen Ländern. Realisiert von:

AOZ Caritas Zuerich HEKS – Hilfswerk der evangelischen Kirchen der Schweiz jobtv medienwerkstatt SAH Zuerich rotes kreuz VSJF – Verband Schweizerischer Jüdischer Fürsorgen